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"Scheitern ist wichtig"

KNEIPP: Wie sehr hat der Erfolg im Sport und jetzt als Unternehmer Ihre Persönlichkeit geprägt? 

Toni Innauer: Meine Erfahrungen im Sport haben meine Person und meinen Charakter sicher mitgestaltet. Nicht nur die Erfolge waren prägend, vor allem auch Vorbilder, das Setzen und Verfolgen von realistischen Zielen. Die Erkenntnis, dass man mit Hilfe von guten Tipps, einer durch Trainer erweiterten Sichtweise der Wirklichkeit und gegenseitiges Vertrauen schneller und sicherer vorwärtskommen kann. Meine Tätigkeit als Trainer, Sportdirektor und Führungskraft im Spitzensport hat einen direkteren und wesentlicheren Einfluss auf meine späteren beruflichen Tätigkeiten gehabt als die Karriere als Profisportler. Das Verantwortungsvolumen als Trainer und Manager war größer und die Arbeitsweise wesentlich strukturierter als im Athletenleben. Heute denke ich, dass die Mischung aus intensiven praktischen Erfahrungen und sechs Jahren engagiertem Studium in Innsbruck und Graz mein Schlüssel zu beruflicher Qualifikation und Erfolg waren.

Was trägt generell zu unserer Persönlichkeitsentwicklung bei? Wie und wo lernen wir am meisten? 

Aus dem Sport heraus argumentiert halte ich für wichtig, dass wir Eigenverantwortung mit einem geschützten Raum, in dem wir experimentieren und auch Fehler machen dürfen, kombinieren. So lernen wir, Scheitern nicht als endgültig zu empfinden, sondern als vorübergehende Phase des Wartens, bis wir den nächsten Wachstumsschub machen. Weiters ist es ein Glück, Eltern, Lehrer, Vorgesetzte oder Trainer zu haben, die selbst begeistert sind für eine Sache und sie dementsprechend faszinierend vermitteln können. Solche Menschen helfen uns, das Warten erträglicher zu machen.

Welche Phase Ihres Lebens bezeichnen Sie als einen Meilenstein in Ihrer Entwicklung?

Von außen betrachtet war es sicher mein Olympiasieg oder andere Leistungen wie ein Weltrekord, die herausleuchten und Entwicklungen auf ihrem Höhepunkt symbolisieren. Aus der Innensicht empfand ich meine Tätigkeit als Trainer – auch im Nachhinein – als sehr erfüllend und bereichernd. Es ist ein schönes Erlebnis, jemandem bei der Entfaltung seiner Fähigkeiten behilflich sein zu können.

Kann man das Ruder im Leben noch herzumreißen, wenn man von zu Hause nicht gerade ein gutes „Starterpaket“ mitbekommen hat?

Natürlich gibt es unterschiedliche soziale Startvoraussetzungen. Aber gerade in Österreich haben wir, gemessen an anderen Weltgegenden, viele Systeme, die ausgleichend wirken und für interessierte und tüchtige Menschen Chancen und Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Außerdem gibt es nicht nur „den einen Königsweg“. Es muss nicht jedes Kind direkt auf eine akademische Laufbahn losgehen. Eine handwerkliche Lehre kann sich als „goldener Umweg“ erweisen, Selbstvertrauen, Lebenstüchtigkeit und durchaus auch Wohlstand vermitteln.

Was bezeichnen Sie als eine gelungene Entwicklung im Leben eines Menschen? Was ist das Ziel der Persönlichkeitsentwicklung? 

Diese Frage wird je nach Person völlig unterschiedlich beantwortet werden. Ganz allgemein betrachtet, sehe ich da die Entfaltung angelegter Talente, die Entwicklung von starken Interessen, Neugier und Zielen sowie die Ausbildung von Urteilsfähigkeit und einer realistischen Sicht der Wirklichkeit. Mir erscheinen auch Kategorien wie Eigenverantwortung, Gemeinschaftsgefühl, Empathie und die Fähigkeit, vorübergehend auf etwas warten und verzichten zu können, als stabilisierende Aspekte einer Person. Als Hobbygitarrist gefällt mir die Einstellung, dass es eigentlich keinen falschen Ton gibt. Denn es kommt immer darauf an, welche Töne man danach spielt.

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